Quelle: FAZ
Unsere Anmerkungen sind in blauer Schrift.
siehe auch: GPSies.com: Wanderweg Alte Handelswege als Wanderrouten im Spessart - 9,45 km - Rundkurs

Fleischfressende Pflanzen im Wiesbüttmoor (10 km)
Im hessischen Spessart gibt es noch ein einziges kleines Moor.
Natürlich steht es unter Naturschutz mit seinen eiszeitlichen Pflanzenrelikten
wie Siebenstern und Wollgras. Daß zu dem NSG auch ein kleiner Waldteich gehört,
freut die zweibeinigen Wasserratten. - Da neben dem See die Grenze zu Bayern verläuft,
kann bei bayerischem Bier eingekehrt werden.
Wanderlange: zehn Kilometer (3 Std.).
Anfahrt:Biebergemund-Bieber, A 66 AS Gelnhausen 0st.
Ursprüngliche Naturlandschaften sind selten geworden in Deutschland. Außer unzugänglichen Hochgebirgen konnten sich nur einige Heidereste und Moore, vornehmlich in Norddeutschland und im Alpenvorland, vor der Kultivierung retten. Im Nordspassart gibt es noch ein kleines Moor, das einzige des hessischen Spessarts. Es ist anzunehmen, daß dieses Gebiet nur aufgrund seiner Abgeschiedenheit erhalten werden konnte.
Man fährt auf der A 66 bis Biebergemünd-Wirtheim und biegt fast am
Ortsausgang rechts ab nach Biebergemünd-Bieber. Von hier windet sich
ein Verbindungssträßchen, kaum daß zwei Wagen aneinander vorbeikommen,
zum 400 Meter hochgelegenen Wiesbüttsee.
In diesem Gebiet loderten über
Jahrhunderte die Flammen der Bieberer Schmelz, der Kupfer-, Silber und
Eisenhütten, wenn auch anfänglich nur mit sehr geringen Erträgen.
Erst unter den drei Bergmeistergenerationen von Cancrin, Erfinder und
Organisatoren, erreicht das Bieberer Hüttenwerk im 18.Jahrhundert seine
volle Blüte.
Wir kommen an der Lochmühle vorbei, bis 1951 Endstation der Spessart-Eisenbahn, seit 1969 Außenstelle der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft, die sich hier im Naturschutzgebiet Wiesbüttmoor besonders der Algenuntersuchung widmet.
Kurz nach diesem Gebäude biegt man am Sraßenschild Bad Orb rechts ab auf den Waldparkplatz. (Anmerkung: Es ist nicht der Parkplatz gegenüber der Gaststätte gemeint. Von dort aus ggf. den B und E Weg in südliche Richtung nehmen, um zum richtigen Parkplatz zu kommen.) Hier beginnt man, geradeaus, auf dem befestigten Weg die Rundwanderung mit den Zeichen B und E. Es sind dies die alte Birkenhainer Straße, der wichtigste mittelalterliche Handelsweg von Antwerpen über Frankfurt, Würzburg, Nürnberg nach Passau, und der Esel so der Salzweg, der von Bad Orb nach Miltenberg am Mainz um Austausch von Salz und Wein führte.
Vom Dr.-Karl-Kihn-Platz und -Ehrenmal, errichtet für den großen Spessartfreund und Historiker, halten wir es nur noch mit dem E. Es setzt hier seinen Weg nach links im spitzen Winkel abknickend fort und lenkt durch heiter lichtdurchfluteten Mischwald, bis man hinaustritt auf eine Höhe über dem Ort Wiesen. Zwischen Kornfeldern und Weiden gelangt man zur Marienkapelle. Mit dem roten Diagonalstreifen Nr.30 geht man hinunter in den freundlichen kleinen Ort, orientiert sich am Straßenschild Bad Orb und findet kurz vor Ortsausgang rechts den roten Querstreifen Nr.41. Wiesen liegt im Tal. Was man auf der einen Seite heruntergeklettert ist, heißt es auf der anderen Seite wieder hinaufsteigen, und dabei überschreitet man die bayerisch-hessische Grenze. Kurioserweise läuft sie mitten durch das Gelände des Wiesbottsees, so daß ein Teil hessisch , die Gastwirtschaft aber bayerisch ist. Zuvorhat man, um dort hinzugelangen , zum Querstrich Nr.44 übergewechselt.
Das Moor hat wenig von dem schwermütigen Charakter eines Hochmoores. Es liegt eingerahmt von mageren Birken, Kiefern , Erlen , Pappeln und Farnen als morastig grüne Insel im Wald . Bleich - oder Torfmoore füllen die gesamte Talmulde aus, voll gesogen mit Wasser, wie ein riesiger Schwamm . In zwei Meter Tiefe reicht die Torfschicht . Die Säuren, die das Moor bildet , geben kaum anderen Pflanzen Lebensmöglichkeit. Nur am Rand breiten sich zaghaft Heidekraut, Waldbinse und verschiedene Seggenarten aus, auch fleischfressende Pflanzen, die sich den im Moor fehlenden Stickstoff durch Insektenfang verschaffen, dazwischen selten gewordene eiszeitliche Pflanzenrelikte: Siebenstern und Wollgras.
Das Moorgebiet, das zum größten Teil aus Privatparzellen bestand, ist 1953 zum Naturschutzgebiet erklärt worden, eingeschlossen der Waldteich zur Freude der Camper.
Mit der blauen Libelle umrundet man die Wiesbütt am Rand des NSG und kehrt vor dem Lokal zu seinem Wagen zurück.