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Ausflug Mespellbrunn

Quelle: Quelle: “Der Ausflug zu Burgen und Schlössern”, Elvira Klein, Societäts-Verlag
Unsere Anmerkungen sind in blauer Schrift.

Wasserschloß Mespelbrunn


Die Besichtigung des idyllisch gelegenen kleinen Wasserschlosses im Spessart, das in seiner Unversehrtheit nicht seinesgleichen hat, läßt sich gut mit einer dreistündigen schattigen Wanderung (9 km) verbinden. (Anmerkung: locker in zwei Stunden oder weniger zu schaffen) - Einkehr etwa auf der ständig leicht ansteigenden ersten Hälfte im ehemaligen Forsthaus Echterspfahl (Montag Ruhetag). In Mespelbrunn mehrere Einkehrmöglichkeiten. - Das Schloß Mespelbrunn ist täglich geöffnet von 9 bis 12 und 13 bis 17 Uhr, sonntags durchgehend Führungen. - Während derAnfahrt zum Besucherparkplatz (= Wanderbeginn) unterhalb des Schlosses wird ein Zwischenstopp in Hessenthal empfohlen. Die Wallfahrtskirche birgt einen Riemen schneideraltar und eine Kreuzigungsgruppe von Backoffen. - Anfahrt: A 3, Anschlußstelle Weibersbrunn, Ausscbilderung Hessenthal (B 8), Mespelbrunn.

Es klingt wie ein Märchen, von einem Schloß zu hören, das sich seit mehr als 400 Jahren in tiefer Waldeinsamkeit im Wasser spiegelt. In Wirklichkeit ein Stein gewordenes Märchen mit Türmen, Erkern, Laubengang und Schwibbogen: Schloß Mespelbrunn im Spessart. Es mußten schon glückliche Umstände zusammentreffen - Abgeschiedenheit und starker Familienverbund beispielsweise -, dieses Kleinod der Nachwelt so zu präsentieren, wie Peter Echter III. und seine Ehefrau Gertraud von Adelsheim die bescheidene Wasserburg der Vorfahren Mitte des 16. Jahrhunderts im Renaissancestil modernisierten". Beider Porträts sind am Treppenturrn eingemeißelt, dazu das Bekenntnis: "Ehelich Lieb in Gott und stete Treu / Bringt Glück und Segen ohn alle Reu / Mit Ernst und Fleiß haben wir Gott vertraut / Den Unseren zu Gut dies Haus gebaut." 1545 kam der zweite Sohn Julius zur Welt, der spätere Fürstbischof von Würzburg, Gründer der Universität und des Juliusspitals, der immer wieder gern in das Vaterhaus zurückkehrte. "Der hochwürdige Fürst und Herr Julius Bischof zu Würzburg uff den Abent mit 40 Pferden allhero ankommen." So oder ähnlich schreibt Bruder Adolf Echter häufig in der Familienchronik.

Das Geschlecht der Echter von Mespelbrunn wird auch auf der Wanderung, die wir vom Parkplatz vor dem Schloß beginnen, gegenwärtig sein. (Anmerkung: Parkplatz ist gebührenpflichtig, besser weiter vorne parken) Durch eine schattige Allee nähern wir uns dem Wasserschlößchen, mit dem Spiegelbild seiner bizarren Konturen im davor ausgebreiteten Weiher gleich in doppelter Ansicht. Die Sandsteinarchitektur, wie hingetupft in ein schmales Seitental der Elsava, ist eng vom hohen Spessartforst umrahmt, der letztlich ausschlaggebend für die Entstehung dieser Idylle war. Wir haben uns der Markierung roter Querstrich anvertraut, der in Begleitung des roten Fuchses linksseitig am Schloß vorbei durch den Ingelhelmer Grund zieht. Anfänglich gerade Platz für den Weg im tiefen Taleinschnitt, geht er unmerklich in hohen, schattigen Laubwald über und hinan auf dem noch abschnittweise gepflasterten einstigen Fuhr- und Kutschweg der Echter und ihrer Nachfolger, der Grafen von Ingelheim, genannt Echter von und zu Mespelbrunn, die noch heute im Schloß ansässig sind.

Nach gut 200 Meter Höhenunterschied nähern wir uns der B 8, an der das Forsthaus Echterspfahl, heute Gasthof, steht. Namensgeber war der längst erneuerte Holzpflock mit drei Eisenringen zum Anzurren von Pferden, dem wir uns am Ende des Kutschwegs, gekennzeichnet durch zwei Sandsteinsäulen, gegenübersehen. Lange bevor Kurfürst Johann von Mainz am 1. Mai 1412 seinem Forstmeister Hermann Echter die Wüstung und Hofstätte am Espelborn - später Mespelbrunn - übereignete, sollen Vorfahren des verdienstvollen Waidmanns hier ansässig gewesen sein. Einer von drei aus dem Odenwald stammenden Brüdern, die ob ihres Raubritterunwesens bei Kaiser Barbarossa in Ungnade gefallen waren, habe sich hier angesiedelt. Heimlicher Treffpunkt der Geächteten war der Echterspfahl.

Der Pferderastplatz Echterspfahl ist Wendepunkt der Wan derung, das heißt weg vom Diagonalstrich, aber noch immer auf der Fährte des roten Fuchses nach rechts. Damit folgt man gleichzeitig dem Eselsweg. Sobald das E-Zeichen links abschwenkt, laufen wir noch geradeaus bis zur DreiWegeGabelung und biegen hier in den rechten Strang ein. Anfänglich noch mit dem Fuchs, verbleiben wir dann weiterhin ohne Zeichen auf dem angenehm zu gehenden Forstweg, der in zahllosen Bogen am Hang des Martinsbergs abwärts schwingt. Wenn sich rechts schon der Einschnitt des Ingelheimer Grunds abzeichnet und ein Weg abzweigt, geben die Warnschilder eines schießenden Jägers und einer Schlange Hilfestellung. Wir wählen die linke Seite, vollziehen weitere Kurven nach und münden schließlich (mit dem roten Punkt) in den Ingelheimer Grund nahe dem Schloß ein.

Eine Schloßführung läßt sich zu Beginn oder Ende der Wanderung einplanen, bei der der Besucher die Kontinuität einer fünfhundertjährigen Famillengeschichte nachvollziehen kann. Rittersaal, Speise- und Ahnensaal, Fürstenzimmer und Chinesischer Salon sind Schatzkammern voller Stilmöbel, Gemälde, Waffen und jagdtrophäen. Wenn auch die Kapelle mit den gotischen Glasmalerelen noch immer benutzt wird, ihre Grablege hatten die Echter in der Wallfahrtskapelle im nahen Hessenthal.

Anmerkung: Sehr schöne Wanderung - die Beschreibung ist klar und eindeutig.



Anmerkungen? Fragen? Nur her damit!


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