Quelle: FAZ, 31.07.1998
Unsere Anmerkungen sind in blauer Schrift.

elv.WEGSCHEIDE. Fest verwurzelt in Erinnerung und Bewußtsein ist für viele
Frankfurter die Wegscheide, das Kinderdorf im Spessart bei Bad Orb.
Generationen von Schülern zogen auf die "Höhe" zur Erholung und zu naturnahem
Unterricht seit den Anfangen des Schullandheims 1920 in den Baracken des
ehemaligen Militärlagers. Heute zählt die Anlage zu den größten Einrichtungen
ihrer Art in Europa, gern besucht auchalljährlich von Ferienkindern aus den benachbarten
Ländern.
Die Wegscheide, geographisch der Kreuzungspunkt zweier alter Handelsstraßen,
hat ihre eigene, wenig friedvolle Geschichte. 1914 entstanden hier die Baracken
für denkaiserlichen Truppenübungsplatz auf dem Gelände der ausgesiedelten Dörfer
Villbachund Lettgenbruun; sie waren Lazarettwährend des Ersten Weltkriegs, im
Zweiten Kriegsgefangenenlager für 20000 Soldaten. Am Ende schließlich fanden
deutsche Flüchtlinge aus dem Osten hier einenotdürftige Unterkunft.
Kriegs-, Zwischenkriegs- und Nachkriegszeit haben auf der Wegscheide, in deren
angrenzenden Region ihre Spurenhinterlassen. Der Geschichtsverein "DieWegscheide
mahnt - den Frieden sichern" hat im Bemuhen um die Verwirklichung dieses
Grundsatzes unter anderem eine Wanderungzu verbliebenen Zeugen des
Nichtvergessensangelegt: Gedenksteine, Betonfragmente,letzte Ruhestätten.
Nicht alles kann imRahmen dieser Wanderung genannt oderaufgesucht werden.
Das Kinderdorf selbst mitdem Denkmal des Frankfurter Rektors August Jaspert,
dem Begründer, ist nur am Tag der"offenen Tür" zugänglich.
Der Wanderkurs ist in zwei Rundwegege gliedert: Wegscheide (1), Lettgenbrunn (II),markiert mit weißer Friedenstaube auf blauem Grund. Beide können über den "Eselsweg" zu Fuß verbunden werden oder mit dem Auto entlang der Spessart-Höhenstraße. Von deraus Bad Orb nach Burgjoß über dieWegscheide ansteigenden Straße zweigt man vor der Höhe rechts ab Richtung Aschaffenburg und stellt gleich hier auf dem Naturparkplatz den Wagen ab. Genaugegenüber dem Kinderdorfeingang entdeckt man an einem Baumstamm die Markierungweiße Taube. Sie weist den steilen Weg, "Himmelsleiter" genannt, ein kurzes Stückabwärts, biegt dann zusammen mit dem "Forsthistorischen Lehrpfad" links ab. Vom ebenen Grasweg geht es sogleich nach derTafel "Birkenhof' links ab. Wir queren die Spessart-Höhenstraße und lesen am Rand des KriegsgefangenenfriedhoLs (1) "Hier ruhen 1430 sowjetische Soldaten …" Dem festen Weg folgen wir weiter aufwärts bis zum Zusammentreffen mit dem schwarzen E des Eselsweges. Wer die gesamteTour erwandern möchte, biegt hier rechts ein und folgt dem E durch Hochwald bis Lettgenbrunn. Die Runde zurück zum Auto schließt man nach links mit der Taube (auchwenn sie zunächst fehlt) und fährt abwärts bis zum Parkplatz Hindenburgstein (2). Von der Einfahrt rechts aufwärts mit dem Naturparkzeichen roter Milantrifft man ebenfalls auf das E und reiht sich ihm rechts bis Lettgenbrunn ein.
Schaut man nach Waldaustritt über Wiesen und Felder auf die schmucken Häuser im engen Tal der Jossa, ist es kaum vorstellbar, daß dort vor noch fünfzig Jahren eine einzige Bombenkraterlandschaft mit Tausenden von Blindgängern klaffte. 1935 war hier ein Luftwaffen-Übungsplatz angelegt worden, die Bewohner wurden zum zweiten Mal ausgesiedelt. Es gehörten Mut und Lebenswille heimatvertriebener Deutscher dazu, einen neuen Anfang zu wagen. Wir kommen zur Durchgangsstraße und damit auch zur doppelten Einkehrmöglichkeit, wobei sich an der Giebelseite des Sudetenhofes (3) kurz links in großen Lettern die Chronik von Lettgenbrunn-Villbach ablesen läßt. Wieder zurück und weiter die Sudetenstraße an der kleinen Kirche mit Gedenkstein (4) vorbei, nehmen wir nun die Zeichen roter Schrägstrich und Dreieck auf,die Taube ist kaum anzutreffen. Fast am Dorfende schwenken die Zeichen links in den zwischen Weidekoppen auf wärts strebenden Weg und halten auf den Weiler Villbach zu. Die Straße rechts, nur dem Schrägstrich nach, das heißt an dem weißen hufeisenförmigen Gehöft links ab. An der Ecke steht das Friedhofskreuz (5), der einzige steinerne Zeuge der beiden alten zerstörten Dörfer.
Rechtsseitik kommen wir zum Bad Orber Golfplatz. Der erste rechts abzweigende Weg ist für uns richtig. Jetzt ohne Zeichen, halten wir auf den Wald zu, kurz vor Erreichen werden links die Reste eines Beobachtungsstandes (6) für Bombenabwurf sichtbar werden. Im Wald orientiert man sich vor der riesigen Buche am roten Strich, geht links, biegt nach wenigen Metern ohne Zeichen rechts ab, kommt zur Straße. Genau gegenüber geht es den Forstweg geredeaus hinan, mit Erreichen der Höhe im Rechtsbogen zur Straße und kurz nach links zum Parkplatz Stelzengarten. Ab hier schließt man sich dem roten Milan an, der in den Eselsweg mündet. Geradeaus kehrt man mit dem E zur Wegscheide zurück oder mit , dem Milan links abwärts zum Parkplatz Hindenburgstein.
Wanderlänge: Kleiner Rundweg (I) vier Kilometer; großer Rundweg (II) sieben Kilometer; Gesamtlänge mit E-Weg-Verbindungsstück 17 Kilometer.