Quelle: FAZ, 18.04.2003
Unsere Anmerkungen sind in blauer Schrift.

Eine bessere Partie hat Hessen nie gemacht
BENSHEIM. Eine Jahreszahl steht wie in Stein gemeißelt für den Aufstieg Hessens zu einem der wichtigeren Staaten des Alten Reiches: 1479. In jenem Jahr starb mit Graf Philipp d. Ä. der letzte Vertreter des mächtigen Geschlechtes derer von Katzenelnbogen ohne männliche Nachkommen. Vortrefflich fügte es sich da, daß der hessische Landgraf Heinrich III. mit der Erbtochter Anna vermählt war. Als "Mitgift" brachte sie weitläufige, durch Rhein-Zölle unermeßlich reich gewordene Besitzungen in die Ehe. Von der Bergstraße zum Mittelrhein erstreckte sich das Gebiet eine bessere Partie hatte die bis ins 15. Jahrhundert eher unbedeutende Landgrafschaft nie zuvor und auch danach nicht wieder gemacht.
Auf dem Auerbacher Schloß hoch über Bensheim steht die Zahl “1479” tatsächlich auf einer großen Tafel. Angebracht wurde die Gedenkplatte 1979 zum fünfhundertjährigen Jubiläum de& BesitZerwechsels von den Katzenelnbogenern zur Landgrafschaft, als man zugleich mit umfass~nden Restaurierungsarbeiten begann. Nun, mit Blick auf die nächste "runde" Zahl 2004, wird das Gemäuer erneut saniert, man kann aber weiterhin die prachtvolle Ruine 'besichtigen. Durch doppeltes Außentor und über tiefen Zwinger, vorbei an mächtiger Schildmauer und viergeschossigein Palas erklimmt man den'oberen Wehrgang der seit dem frühen 13. Jahrhundert in Dreiecksform errichteten Anlage. Großartig sind vom vorderen Turm die Aussichten über die Rheinebe~ne zur Vorderpfalz. Spätestens nach den Zerstörungen 1674 verlor das Auerbacher Schloß an Bedeutung und verfiel, ehe es ini 19. Jahrhundert als "romantische" Ruine wiederentdeckt und vom Hause Hessen-Darmstadt gesichert wurde. Im Tal, im sogenannten Fürstenlager, hatten Landgraf Ludwig X., der nachmalige Großherzog Ludewig 1., und seine Gattin ihr favorisiertes Sommerquartier, gefunden.
Dorthin, in den Park (Fürstenlager) mit seinen schlichten Barockgebäuden, wollen wir zunächst unsere Schritte ab Bahnhof Bensheim-Auerbach lenken. Es geht die Otto-Beck-Straße hinauf, kurz rechts in die Darmstädter Straße (B 3) und weiter links Richtung Fürstenlager in die Bachgasse, übergehend in die Mühltalstraße. (Vor dem Ortsausgang gibt es auch zwei Parkplätze.)
Anmerkung: Bei Anreise mit dem Auto am besten hier parken!
Wir laufen quer durch die langgestreckte Zeile der seit 1790 entstandenen Wohn- und Gesindehäuser. Rund 90 Personen zählte der "Höfstaat", wenn er allsommerlich bis etwa 1830 von der Darmstädter Residenz für mehrere Monate herüberkam. Der schönste Bau, das Herrenhaus, dient jetzt als Hotel, Restaurant und Café. Dabei hat man von der Terrasse ungehinderten Blick zur Herrenwiese mit ihren später, gepflanzten exotischen Gehölzen, darunter Manumitbäume und Ginkgos. Der barocke Parkeharäkter von gestalteter und scheinbar gewachsener Natur wird vom heutigen Besitzer, der Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten in Hessen, auf Grundlage eines umfänglichen Parkpflegewerkes bewahrt. So werden wir beim Weitergehen - nun mit dem bereits zuvor aufgetauchten gelben Quadrat - fast unmerklich zu Streuobstwiesen undschließlich in den Wald geführt. Dort, nach einer Linksabbiegung, markiert eine mit Rinden verkleidete Eremitage (ein “Häuschen”) von 1787 Sinnbild der Rückzugsmöglichkeit in die Natur - das östliche Parkende. Dahinter begann die Wildnis.
Auf zunächst schmalem Pfad heißt es weiterlaufen. Durch aufgelockerten Buchenwald kommt man gut voran, später auch mal einen Blick auf die wellenförmigen Kuppen -des Odenwaldes werfend. Bald darauf, vor dem kleinen, Steinhäuschen an einer Wegekreuzung biegt man links mit der gelben Ziffer 3 nach Hochstädten ab, kurz darauf nochmals links, dann geht es hinunter in den Ort. Dort gehen wir die Hauptdurchgangsstraße entlang bis wir rechterhand auf den Malchenweg stoßen. Hier wartet das gelbe V, das uns aus Hochstädten hinausbringt (an der ersten Gabelung links), dann steil bergan auf die Höhe. Anmerkung: Anstrengender Anstieg! Oben, an einem breiten Forstweg, heißt es links und weiter über die Parkplätze Richtung Auerbacher Schloß, auf den letzten 300, Metern entlang der- Zufahrtsstraße.
Nach Schlossbesichtigung und Einkehr in dem innen wie außen, dem Ambiente gut angepaßten Burg-Restaurant halten wir uns unmittelbar hinter der Brücke über den Burggraben scharf rechts auf ein Pfädchen. An der ersten Gabelung biegen wir nach links ab und gehen weiter durch dichtes Strauchwerk in langgezogenem Rechtsbogen bis zu einer Treppe. An deren Absatz stoßen wir auf das blaue B. Durch Buchenwald führt dieses problemlos hinab nach Auerbach und weiter durch ein Villenviertel in den älteren Teil. Wieder an der Mühltalstraße, kommt man links zu den Parkplätzen, rechts zum Bahnhof.
Wanderlänge: 11 (9) km.